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>>> Bericht von Bernd zur Tour [auf/zuklappen]
Jetzt sind 2 Wochen vergangen und es wird langsam Zeit einen Bericht über unsere Tour durch Deutschland zu schreiben. Aber wo soll ich anfangen?
Im letzten halben Jahr ging uns fast nichts anderes mehr im Kopf herum als diese Tour, und jetzt ist es einfach vorbei. Im Vorfeld habe ich mir oft ausgemalt wie es wohl sein würde nach 3 Tagen und weit über 1100 Kilometern in Flensburg einzufahren.
Variante eins: Großer Jubel, die schönsten Frauen Flensburgs stehen Spalier, streuen Rosenblätter, Zeitungen und TV-Sender reißen sich um uns. Man Teilt uns mit, dass die Stelle als König von Deutschland gerade frei ist und fragt, ob nicht einer von uns Lust darauf hätte …..
Variante zwei: Wir sind körperlich alle total am Ende und kriechen auf dem Zahnfleisch in Flensburg über die Ziellinie.
Variante drei: Wir scheitern kläglich.
Mir persönlich war Variante eins am liebsten und genau daran hab ich im letzten halben Jahr gedacht wenn ich mir über den Sinn bzw. Unsinn dieser Aktion Gedanken gemacht habe.
Wie war es denn nun tatsächlich in Flensburg anzukommen und hatte es einen Sinn sich das an zu tun?
Um das zu beantworten fange ich jetzt mal ganz vorne an.
Die Idee zur Tour:
Jürgen und ich hatten mal wieder Langeweile und schmiedeten Pläne für eine neue Aktion. Schweden war jetzt schon ein Jahr vorbei und es musste mal wieder was passieren. Es war klar, dass es wieder was großes sein sollte, es sollte noch niemand vorher gemacht haben und das Team sollte mit einbezogen werden.
Ideensammlung:
- Zum Mond und zurück... fällt flach, das ist zu kalt.
- Einmal um die Welt in 79 Tagen... kommt viell. noch.
- 1000 Kilometer als Team … klingt interessant aber im Team mit unseren unterschiedlichen Leistungsklassen wird das für die einen zu schnell und für die andern zu langsam.
- 1000 Kilometer als Staffel... das könnte klappen.
- was ist eigentlich die größtmögliche Entfernung in Deutschland? Kurz mal im Routenplaner Sonthofen Flensburg eingegeben. 1100 Kilometer. Klingt gut.... das ist es !!
- Das sollte mit 4 Fahrern zu schaffen sein, und um es spannend zu machen, sagen wir jetzt einfach mal das Ganze soll unter 72 Stunden erledigt sein.
Jetzt brauchte das Baby noch einen Namen. Race across Germany in Anlehnung an den Klassiker Race across America klang gut aber das gab es schon. Da eh zu viele Anglizismen im Umlauf sind wurde halt Race across Deutschland draus. Bis hier war ja alles recht einfach. Die Eckpunkte waren festgelegt.
Die Vorbereitung
Wie so oft, wenn man was macht, was noch keiner vorher gemacht hat, kann man auch niemand fragen wie man so ein Vorhaben in die Tat umsetzt. Es ist unglaublich an was man da alles denken muss. Sponsoren, Begleitpersonen, Streckenplanung, Autos, Essen, Kommunikationsmittel, Ladekabel für alles Mögliche, Klamotten usw. Und nebenbei muss man noch trainieren und arbeiten gehen. Das meiste davon hat Jürgen im Alleingang organisiert, denn wirklich drum gerissen hat sich da niemand.
Die Tour
Über 70 Stunden Dauerstress in Worte zu fassen ist so gut wie unmöglich. Es gäbe so viele kleine Geschichten die es wert wären erzählt zu werden, dass man ein Buch drüber schreiben könnte. Ich packe hier jetzt mal die wichtigsten Fakten zusammen und der Rest erzählen die Bilder.
Der Start erfolgte Punkt 12 Uhr in Sonthofen.
Gewechselt wurde alle 2-3 Stunden.
Die ersten Etappen liefen besser als gedacht, wir machten ordentlich Kilometer.
Gefahren wurde Tag und Nacht.
Geschlafen wurde sehr wenig, eigentlich viel zu wenig aber man kam nicht dazu.
Nach der ersten Nacht der erste Ausfall. Jürgen hat zu wenig gegessen und getrunken und liegt entkräftet flach.
Einige unserer Begleitpersonen sind völlig übermüdet.
Ich dachte das erste mal über den Abbruch nach weil ich nicht glaubte, dass alle den Schlafentzug noch weitere 48 Stunden durchhalten.
Es folgte eine Diskussion mit allen ob es weiter geht. Einstimmiges JA.
Jürgen kam erst mal an den Tropf und setzte eine Etappe aus.
Herward sprang das erste mal als Ersatzfahrer ein.
Das erste Handy fiel aus. Hat eigentlich jemand an ein Ladekabel fürs Auto gedacht um die Dinger aufzuladen? Nein hat niemand....
Die ersten Begleitpersonen wurden zum Zwangsschlafen verdonnert und stießen später wieder dazu.
Der zweite Tag lief sehr gut. Die Wechsel haben sich etwas besser eingespielt.
Meine erste und letzte warme Mahlzeit gab es auch an dem Tag.
Das fahren lief immer noch erstaunlich gut und alle waren motiviert.
Das nächste Handy fielt aus.
Wir glaubten so langsam dran es zu schaffen.
Nachts kleine Orientierungsprobleme und plötzlich auf einer zweispurigen Bundesstraße. Woher soll man denn bitteschön wissen, dass man da nicht mit dem Fahrrad drauf darf? Hat mir beim Fahrradführerschein in der zweiten Klasse keiner gesagt.
Tagsüber 1000 Eindrücke von allen Seiten, immer wieder wechselnde Landschaften die man sogar genießen konnte wenn es nicht bergauf ging.
Nachts zwischen ein und 4 Uhr komplette Dunkelheit und Ruhe. Ein unbeschreiblich schönes Erlebnis. Nur dumm, dass man Berge nicht kommen sieht und sich immer mal wieder wundert, dass man nicht mehr vom Fleck kommt.
Die letzten 24 Stunden waren angebrochen. Die Fahrer gaben noch einmal alles.
2 Fahrer und 4 Begleitpersonen fallen daraufhin aus und verordnen sich sogar selbst Schlaf.
Kleine Besprechung mit dem Rest der Truppe.
Die Kommunikation wird schwerer. Ein weiteres Handy verabschiedete sich.
Wir beschlossen die letzten Etappen bis kurz vor Flensburg zu dritt abzufahren.
Nachts war es sehr kalt, da die Wolken verschwunden waren. Dafür gab es sternenklaren Himmel.
Belohnt wurden wir mit einem grandiosen Sonnenaufgang. Die Sonnenstrahlen kämpften sich langsam durch den Nebel.
Wir beschlossen die letzten 10 Kilometer mit allen 5 Fahrern zu fahren.
Treffen auf einem kleinen Parkplatz im Nirgendwo.
Alle stiegen nochmal ins Rad und gemeinsam ging es Richtung Flensburg.
Das Ortsschild war zu sehen und wir kamen unserem Ziel näher.
Die letzten Meter fuhren alle nebeneinander und wir legten mal kurz den Verkehr lahm, aber nach dieser Tour darf man das!
Ein kurzer Blick auf die Uhr aber eher fürs Protokoll. 10:09 Uhr also 70 Stunden und 9 Min
Ziel erreicht und GESCHAFFT!!!
Seltsam, keine Frauen da die Rosenblätter streuen. Kein Feuerwerk im Kopf, das Gegenteil ist der Fall. Komplette Leere aber auch unendliche Erleichterung. Wir sind tatsächlich angekommen. Direkt nach der Tour hätte ich nicht sagen können ob das Ganze jetzt einen Sinn hatte. Mit etwas Abstand betrachtet kann ich das aber eindeutig mit JA beantworten. Es war ein großartiges Abenteuer und Abenteuer sind es immer Wert sie anzugehen!!
Was wir da als Team (Fahrer und Begleiter) geleistet haben war richtig großer Sport. Wir haben als Team unglaublich gut funktioniert und jeder der dabei war kann zurecht stolz auf sich sein.
Eine Sache muss aber jetzt auf jeden Fall noch hervorgehoben werden und zwar unsere Begleitpersonen. Man muss sich das mal vorstellen, da kommen so ein paar durchgeknallte Rollifahrer und haben die Idee mit dem Rad durch Deutschland zu fahren. Nur so ganz allein bekommen sie es nicht hin und dann fragen sie so nebenbei mal rum wer denn Lust hätte sie zu begleiten. Es fanden sich dann tatsächlich ein paar Fußgänger die sofort zugesagt haben ohne wirklich zu wissen was sie erwartet. Denn zu dem Zeitpunkt wusste noch keiner, dass wir mindesten 3 Personen zu wenig dabei haben würden, dass einige gerade mal 3 Stunden Schlaf bekommen würden für mehr als 72 Stunden, dass es nichts vernünftiges zu Essen geben wird und zwischendurch ständig einer sagt, „kannst du mal kurz ...“.
Also an dieser Stelle
Danke Fritz, Margit, Daniela, Paula, Robert, Ronny, Christian, Heidi und Bernd!!!!!!!!!! Ihr habt mindestens eine genauso großen Anteil am Gelingen dieser Aktion wie wir Fahrer.
Dann bis zum nächsten mal wenn es wieder heißt, das TetraTeam plant eine Aktion.........
>>> Bericht von Christian zur Tour [auf/zuklappen]
Als ich erfuhr, dass unser Team die Aktion Race Across Deutschland vor hat, habe ich ganz spontan, ohne viel zu überlegen, am 12. September 2010 eine Mail an Jürgen gesandt und zugesagt, dass ich mit dabei bin.
Mir war zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst, was alles bis zum Start der Aktion auf mich zukommt. Es war ja noch viel Zeit um sich vorzubereiten, dachte ich.
Ich nahm von Anfang an die Sache ernst und habe den Winter über, auf der Rolle ca. 3200 Km abgespult. Morgens auf dei Arbeit, am Nachmittag fast jeden Tag zwischen 25 – 50 Km abgespult. Nicht jeder Tag war gut und ich machte mir schon mal so meine Gedanken, ob ich das Ganze durchstehen würde. Es gab aber auch wieder Tage, an denen die Kilometer auf der Rolle ohne große Anstrengungen abgespult wurden und ich frohen Mutes war. So ging die Zeit des Winters ganz schnell vorbei und die ersten wärmeren Tage waren da um draußen zu fahren, aber es kam dann doch etwas anders als ich es mir vorgestellt hatte.
Ich war nie mit der Bremsekraft von meinem Handbike zufrieden. Die Ellenbogenbremse machte mir, nicht nur nachdem ich auf Handschalen umgestellt hatte große Probleme. Zu diesem Zeitpunkt war es auch nicht möglich eine Rücktrittbremse für mein Shark S zu bekommen. Nach dem Motto „Not macht erfinderisch“, habe ich dann den Winter über eine Rücktrittbremse konstruiert. Weit vor der Straßensaison ging es auf die Suche nach einer Firma zur Herstellung der Teile. Ich gab die Pläne rechtzeitig zum Bau einer Firma, aber leider wurde ich von Woche zu Woche vertröstet und letztlich konnten diese die Teile doch nicht anfertigen. Jetzt musste ich eine andere Möglichkeit finden um an die Teile zu kommen. Letztlich fand ich einen Einmannbetrieb und hatte dann die Teile meiner Rücktrittbremse innerhalb einer Woche. Nach Einbau und kurzer Probefahrt konnte ich dann mit ca. 4 Wochen Verspätung die Straßensaison 2011 eröffnen.
Doch es kommt mal wieder anders als man es sich vorstellt.
Ein paar Tage nach Start der Straßensaison 2011 habe ich mich 1 April also ca. 2 Monate vor Start der Tour durch eine Unaufmerksamkeit so stark am linken Zeigefinger verletzt, daß ich ins Krankenhaus musste. Fazit – Platzwunde mit 7 Stichen genäht, Gipsschiene und ruhig stellen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich große Zweifel, ob ich an den geplanten Trainingslagern oder sogar an der Tour teilnehmen konnte.
Doch nach 10 Tagen wurden die Fäden gezogen und ich gab mir noch 2 Tage Ruhe bevor ich wieder ins Bike stieg und langsam wieder anfing zu Trainieren.
Jetzt fehlten mir allerdings schon ca. 6 Wochen der Vorbereitung.
Als Vorbereitung auf die Tour hatte ich mich schon im Winter für eine Woche Handbikefahren in Bibione / Italien angemeldet. So startete ich am 30.April nach Italien zum Training. Dort hatte ich bei super Bedingungen nach einer Woche 400 Km gefahren und das Defizit der 6 Wochen Zwangspause war fast wieder ausgeglichen.
Gleich im Anschluss trafen wir uns vom Tetra-Team zur Vorbereitung in Österreich. Auch hier hatten wir die besten Bedingungen und konnten uns schon einen Vorgeschmack auf die Tour holen. Ich sage nur Berge, Berge, Berge.
Die Tage bis zum Start der Tour vergingen wie im Flug.
Tag für Tag wurde Trainiert, ganz egal was für ein Wetter war. Bei kühlem, bewölktem Wetter war ich eigentlich sehr zufrieden mit meiner Leistung. Bei Wärme und Sonnenschein habe ich immer so meine Schwächen, wegen den bekannten Problemen der Tetraplegie.
So kam der Tag vom Mannheim Marathon. Ich habe mir diesen Wettkampf als Maßstab meiner Leistung ausgedacht. Mit einer Zeit von 1:45:52 war ich dann doch ganz zufrieden mit meinen Leistungsstand.
Nun his es diesen Leistungsstand zu halten bzw. noch zu verbessern. So kam der Start der Tour immer näher. Ich hatte ja noch nie so etwas gemacht und war um jede Info von Jürgen oder Bernd dankbar, die ja schon so lange Strecken gefahren sind. Es kamen manche Fragen auf, z.B. was nehme ich zu Essen, Trinken, Klamotten, Equipment, usw. mit.
Danke noch mal für alle Infos von euch.
Je näher der Start der Tour heranrückte umso größer wurde auch eine gewisse Nervosität.
Klappt wohl alles?
Es kommen einen so viele Gedanken in den Sinn, unter anderem auch, halte ich überhaupt durch, bleibe ich gesund, oder hält mein mittlerweile mehrfach geschweißtes über 10 Jähriges
Shark S, dass bei so manchen ein Kopfschütteln verursacht, durch ?
Diese Gedanken konnte ich aber immer wieder ablegen „Gott sei Dank“.
Nun war er endlich da, der Start der Tour.
Die Nacht über super geschlafen. Am Morgen alle Sachen ins Auto und zu Jürgen nach Zusmarshausen gefahren.
Dort angekommen mit Jürgen und Bernd noch etwas bei guter Stimmung geplaudert und Christian kennen gelernt. Doch wir mussten ja noch nach Sonthofen fahren und somit war Umladen angesagt und wir konnten dann rechtzeitig aufbrechen.
In Sonthofen angekommen, trafen wir uns dann alle am Rathaus. Jens und seine Begleiter waren schon da. Dort traf ich dann auch Heidi und Bern Umbreit die uns mit der Filmkamera begleiteten und ich muss sagen es war für mich eine Bereicherung so nette Menschen kennen gelernt zu haben, bei denen man spürt dass sie ihren Beruf auch leben. Nach kurzer Begrüßung aller und Besprechung hatte ich dann die Aufgabe oder auch die Ehre, die Tour zu Starten. Jürgen hatte ja im Vorfeld der Tour diese Etappe schon abgefahren und musste feststellen, dass diese sehr anspruchsvoll ist und ich das am besten schaffen könnte. Also rein ins Bike und pünktlich um 12 Uhr ging es dann mit offiziellem Startschuss des Bürgermeisters in Sonthofen los.
Ich fühlte mich nach anfänglicher Nervosität ganz gut und kam dann auch schon nach kurzer Zeit in meinem Rückmuss. Die Etappe war wirklich sehr anspruchsvoll und ich musste alles geben denn mit kurzen knackigen Anstiegen aber auch sehr lang ansteigenden Stücken musste die Strecke bewältigt werden. Das Wetter war kühl, leicht regnerisch somit ideal für mich. Nach 2 Stunden und 40 Minuten hatte ich dann die ersten ca. 40 Km hinter mir und ich konnte an Jürgen übergeben. Jürgen hatte dann das Pech, dass er im Regen startete und es auch leider auf seiner Etappe nicht besser wurde.
Ich fühlte mich super, natürlich war es anstrengend aber ich hatte ja jetzt Zeit mich zu erholen. Also rein ins Auto auf die Matratze und Ruhe bis zur nächsten Etappe (und das machte ich immer so aber an Schlaf war aber nicht zu denken).
Nach ca. 8 Stunden war ich wieder dran. Christian ist die Strecke vorgefahren und wir trafen uns zum nächsten Wechsel. So ging das in etwa die ganze Tour über.
An dieser Stelle möchte ich mich nochmals bei Christian bedanken. Wir waren ja die ganze Strecke über zusammen. Bewundernswert war unter anderem seine Ausdauer über so einen doch langen Zeitraum ohne Schlaf auszukommen. Was mich auch bewegte war, dass er immer guten Mutest war, nie ungelaunt oder griesgrämig war. Ihm nichts zu viel wurde, wenn ich ihn kurz mal brauchte. Hier sei auch zu erwähnen, dass Christian unermüdlich für Heidi und Bernd unterwegs war. Er spulte viele extra Kilometer ab und es dadurch ermöglichte für Bernd die Tour in Bild und Ton festzuhalten. Ich kann einfach nur DANKE sagen.
Ich kann jetzt nicht alle Einzelheiten der einzelnen Etappen wiedergeben, denn das würde zu lange dauern. Darum nur ein Paar Eindrücke die mir ganz besonders in Erinnerung geblieben sind und die ich auch sicher mein ganzes Leben nicht mehr vergessen werde.
Meine nächste Etappe begann in der Nacht. Zu diesem Zeitpunkt bin ich noch nie in der Nacht gefahren und war schon gespannt auf diese Erfahrung. Also das Bike zur Nachtfahrt präpariert, das heißt Vorderlichter und Rücklichter angesteckt und noch ein Rücklicht an der Fahne angebracht. Kurzum es wurde für ein paar Stunden Weihnachten mit vielen roten blinkenden Lichtern. Es war mir einfach wichtig gesehen zu werden.
Was an dieser Nachtetappe für mich noch ganz besonders war ist, dass ich in meiner Heimat fuhr. Ich kannte die Etappe ganz genau, denn die Strecke ging nur 10 Km von mir Zuhause entfernt vorbei in Richtung Ansbach zum nächsten Wechsel.
Also rein ins Bike und los. Ich möchte euch empfehlen, wenn ihr die Möglichkeit habt, probiert das mal aus. Es ist schon etwas besonderes, mitten in der Nacht mit dem Bike unterwegs zu sein. Eine ganz besondere Stimmung kommt auf, Dunkelheit, Stille, du hörst nur das Fahrgeräusch vom Bike, einfach klasse. Nach ca. 50 Km in der Dunkelheit kam ich nach 3 Stunden in Ansbach an und begleitete noch Jürgen durch die Stadt, wegen div. Umleitungen / Baustellen.
So schickte ich Jürgen auf seine nächste doch sehr schwere Etappe in Richtung Neustadt an der Aisch. Diese hatte ich Vorfeld mit dem Auto schon abgefahren und wusste was auf Jürgen zukommt. Er hatte auf dieser Etappe 3 sehr schwierige lange Anstiege zu bewältigen. So wünschte ich ihm alles Gute und sah ihn langsam in der Dunkelheit verschwinden. Wer Jürgen kennt und weiß zu welcher Leistung er fähig ist, müsste sich eigentlich nichts denken aber ich merkte, dass es bei ihm nicht so läuft wie es sein sollte. Meine Vermutung hat sich dann auch leider bewahrheitet.
Am nächsten Morgen fuhren wir nachdem wir uns etwas Ruhe gegönnt hatten wieder in Richtung des nächsten Wechsels. Unterwegs kamen wir beim Wohnmobil von Jürgen und Bernd vorbei und erkundigten und auch gleich nach Jürgen. Was wir hörten gefiel uns gar nicht und Christian hatte nun alle Hände voll zu tun. Durch zu wenig Essen, Trinken, Unterkühlung und zu wenig schlaf, ging es Jürgen gar nicht gut und musste von Christian der ja Arzt ist, versorgt werden. Zu diesem Zeitpunkt war klar, dass Jürgen dringend eine Pause braucht und Herward unserer Ersatzfahrer für ihn einspringen musste.
Nicht nur an dieser Stelle stellte sich wieder heraus, dass wir ein super Team sind. Nach dem Motto „einer für alle – alle für einen“ ging es weiter.
Es wurde uns aber auch ab diesem Zeitpunkt immer mehr bewusst, dass es durch Schlafentzug und die Anstrengung doch schwierig werden wird unser Ziel zu erreichen.
Ich weiß jetzt nicht mehr bei welcher Etappe es war, auf jeden Fall hatte ich schon etliche Km abgespult, kam mal wieder ein so ewig langer Anstieg. Die Muskeln schmerzten und du hast immer die Steigung vor Augen. Bloß nicht schwächeln. Umdrehung für Umdrehung die Kurbel ziehen und drücken. Das kommt schon mal der Gedanke was machst du da eigentlich. Ich habe aber nie ans Aufgeben gedacht. Das Ziel war Flensburg und das hatte ich fest vor Augen. Die Zeit war mir allerdings egal, schön wenn es unter 72 ist aber ich wäre auch nicht traurig wenn es darüber sein sollte.
Ja die Anstiege hatten es schon in sich. Ich erinnere mich an einen Wechsel von Jens auf mich. Gleich ging es los mit so einem leichten stetigem Anstieg und das über ca. 12 Km. Nicht wirklich zu sehen aber zu spüren. Du hast keine Möglichkeit mal die Arme baumeln zu lassen immer geht es Umdrehung für Umdrehung nur mit Kraft vorwärts. Das sind so Km die weh tun, wenn du um die Ecke fährst und es geht dann weiter immer nur berghoch, da kommt man auch schon mal an seine psychische Grenze.
Doch es waren auch schöne Abschnitte dabei. Wo es bergauf geht, geht’s auch wieder runter. Genau hier wird man dann für die Anstrengungen belohnt und es macht dann einfach nur Spaß das Bike am Rollen zu halten. Einfach ein tolles Gefühl so mit 30 Km/h über mehrer Km unterwegs zu sein.
Noch ein paar Gedanken zu meiner letzten Etappe so etwa 150 km vor Flensburg. Ich bin kurzfristig für Jens eingesprungen, da sein Bike in seinem Begleitfahrzeug war und Jens bei uns. Nur das Problem war, dass das Begleitfahrzeug nicht zu erreichen war. Robert und Robin seine Begleiter hatten sich schlafen gelegt und hörten das Handy nicht. Also 3 Stunden weniger Ruhe für mich aber ich war Fitt und es machte mir nichts aus etwas früher als geplant zu starten. Also wieder mal mitten in der Nacht rein ins Bike. Bernd übergab an mich und los. Nach ein paar Km kam ich an eine Kreuzung und ich wusste nicht wohin. Christian war noch nicht hinter mir um mich in die richtige Richtung dirigieren zu können. Ich bemerkte ein paar Jugendliche und fragte nach dem Weg. Wohlgemerkt mitten in der Nacht. Zu spät bemerkte ich, dass die Jungs doch stark angetrunken waren und mich ansahen na ich möchte mal sagen wie einem von einem anderen Stern. Auskunft konnte ich nicht erwarten nur Respekt so etwa 20-30 mal Respekt von einem der Jungs als ich im versuchte zu erklären wo wir her kamen und wo wir hin wollten.
Ich war dann doch froh als Christian wieder da war und ich meine Etappe fortsetzten konnte und so spulte ich Km für Km runter.
Wir trafen uns nochmals zu einer kurzen Besprechung in der Dunkelheit und beschlossen dass wir die letzten 10 Km alle gemeinsam nach Flensburg fahren.
Zu diesem Zeitpunkt war uns klar, dass wir unser Ziel unter normalen Umständen wenn nichts mehr dazwischen kommt, erreichen würden.
Diese letzte Etappe hatte mich auch für so manche Strapaze entschädigt. Ich glaube es gibt nicht viel beim Biken was eine Fahrt in den Morgen hinein noch Toppen könnte. Der Übergang von der Dunkelheit in das Morgengrauen ist einfach toll. Wenn die Natur erwacht und es hell wird, die Sonne aufgeht ist schon etwas besonderes (auch wenn es nur 5 Grad über Null hat). So übergab ich etwa 80 Km vor Flensburg an Jens.
Etwa 10 Km vor Flensburg trafen wir uns alle wieder, um gemeinsam los zu fahren.
Man spürte förmlich bei allen die Erleichterung als wir uns auf den Weg machten um die restlichen 10 Km nach Flensburg zu fahren.
Ich kann jetzt nur für mich sprechen, als ich Flensburg erreicht hatte und realisierte, dass wir es geschafft hatten und das auch noch unter den 72 Stunden überkam mich eine tiefe Dankbarkeit „Gott sei Dank“ und das meine ich aus voller Überzeugung.
Dies alles was ich hier schreibe ist nur ein kleiner Abriss ab dem 12.September 2010 als ich mich entschloss bei der Tour dabei zu sein. Wenn ich mir vorstelle was alles war und vor allem was alles hätte sein können, kann ich einfach nur die Hände falten und Dankbar sein.
1100 Km ohne Pannen, Verletzungen, Unfälle, nur 3 Stunden Schlaf, für mich optimales Wetter, ganz tolle Begleiter, und es geschafft zu haben.
An dieser Stelle auch noch Dank an unsere Sponsoren, ohne ihre Unterstützung wäre diese Aktion so nicht durchführbar gewesen.
Nochmals an alle ganz herzlichen Dank.
Es war eine super Teamleistung.
Christian
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