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Das TetraTeam schult in Murnau Ergo- und Physio-Therapeuten
 
So langsam spricht sich der Kurs „Alltagsbewältigung im Rollstuhl“ des TetraTeams in den Querschnittkliniken rum. Nach Bayreuth war jetzt die BG-Unfallklimik in Murnau an der Reihe.

Jürgen Winkler und Bernd Jost wurden von einem recht jungen und sehr interessierten Team empfangen. Nach einer kurzen Vorstellung ihrer Personen, der Manfred Sauer Stiftung, die sich wieder bereit erklärt hat diesen Kurs zu finanzieren, und dem Inhalt des Kurses ging es dann auch schon direkt los.

Wie schon in Bayreuth standen am ersten Tag der Transfer ins Bett und zurück, das An- und Auskleiden sowie das Thema Spastik im Vordergrund. Winkler und Jost demonstrierten nacheinander ihre verschiedenen Techniken und es wurde wieder sehr deutlich, dass es nicht nur einen Weg zum gewünschten Ziel gibt. Gerade bei Tetraplegikern gibt es zwar oftmals nur minimale Unterschiede was die Restfunktionen der Muskulatur angeht aber gerade diese kleinen Unterschiede haben oft einen großen Einfluss auf die Umsetzung der verschiedenen Aufgabenstellungen wie z.B. das Anziehen. Diese Erkenntnis ist eine der wichtigsten Botschaften dieses Kurses.

Alle Anwesenden verfolgten mit großem Interesse die Bewältigungsstrategien der beiden und stellten viele Fragen von denen jede einzelne ausführlich beantwortet wurde. Somit war der erste Nachmittag auch sehr schnell vorbei.

Am nächsten Morgen ging es dann ans Eingemachte. Das wohl wichtigste Thema wenn es um die Alltagsbewältigung geht ist das Blasen- und Darmmanagement. Hier waren Winkler und Jost dann voll in ihrem Element. Gerade die sogenannten „Tabuthemen“ bringen die beiden durch ihren lockeren und offenen Umgang mit der Thematik sehr gut auf den Punkt. Die beiden zeigen dadurch immer wieder dass es gerade bei diesen Themen extrem wichtig ist sachbezogen aber dennoch ohne Scham offen über dieses „heikle Thema“ zu reden. Dadurch tauen die Zuhörer immer sehr schnell auf und trauen sich schon nach kurzer Zeit Fragen zu stellen.

Selbst das folgende Mittagessen wurde in die Schulung integriert, denn selbst bei so etwas selbstverständlichem wie dem Essen gibt es als Tetraplegiker einige Fragen zu klären. Wie hält man eine Gabel? Wie schneidet man Fleisch? Wie öffnet man eine Flasche? Wie schenkt man sich ein Getränk aus der Flasche in ein Glas? Wie kompensiere ich bei diesen Tätigkeiten die fehlende Fingerfunktion ohne den Einsatz von unendlich vielen Hilfsmittel? Die praktische Vorführung folgte natürlich sofort.

Am folgenden Nachmittag ging es dann sehr ausführlich um das Thema Mobilität. Mit den Therapeuten ging es dann zu den Autos der beiden. Hier wurde in der Praxis gezeigt wie man ins Auto einsteigt und den Rollstuhl verlädt und das Ganze natürlich auch wieder zurück.

Abschließend wurde noch verschiedene Freizeitgestaltungen wie Sport und Reisen besprochen. Da beide erfahrene Sportler sind und auch schon viel in der Welt rum gekommen sind konnten sie auch hier aus dem Nähkästchen plaudern und ihre Erfahrungen aus erster Hand weiter geben.

Nach einer weiteren Fragerunde endete der Kurs dann am späten Nachmittag. Die Teilnehmer waren begeistert von den Kursinhalten sowie den beiden Kursleitern.

Einen Wehrmutstropfen gibt es allerdings. Aufgrund der immer kürzer werdenden Aufenthaltszeiten der Patienten in der Klinik kommt es eigentlich zu gar keiner richtigen Rehabilitation mehr. Die Patienten werden zwar medizinisch wieder auf Vordermann gebracht, d.h. Knochenbrüche und sonstige Verletzungen können verheilen aber das ist bei einer frisch erworbenen Querschnittlähmung eben nur ein geringer Teil der Wiederherstellung. Wenn Wunden und Knochen verheilt sind ist der Patient bei weitem noch nicht auf sein neues Leben im Rollstuhl vorbereitet. Dennoch wird er entlassen und steht, wenn es schlecht läuft sehr allein und vor allem sehr hilflos da.

Umso wichtiger ist es da natürlich sehr gut ausgebildete Therapeuten zu haben. Die können zwar in der kurzen Zeit ihre Patienten nicht komplett auf ihr neues Leben vorbereiten aber sie können ihnen bereits erste Perspektiven mit auf den Weg geben. Dies ist in der Zeit nach der Akutphase sehr wertvoll und somit trägt Das TetraTeam mit diesem Kurs dazu bei frisch verletzte Tetraplegiker ein Stück weit auf ihrem neuen Weg zu begleiten.

BeJo