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Alltagsbewältigung im Rollstuhl –
Das TetraTeam gibt sein Wissen an Therapeuten weiter
 
Jürgen Winkler (c 5/6) und Bernd Jost (c 5/6), Gründer des TetraTeams, hatten vor einigen Monaten die Idee Ihr Wissen zum Thema Alltag im Rollstuhl weiter zu geben. Zielgruppe sollten alle sein, die an der Erstrehabilitation von Querschnittgelähmten beteiligt sind, also Physio-, Ergo- und Sporttherapeuten so wie Pflegepersonal.

Inhalt des Kurses ist der ganz normale Alltag also anziehen, ausziehen, Transfer Rollstuhl Bett und umgekehrt, Transfer Rollstuhl Auto und umgekehrt, mehr..... (download Kursprogramm)

Auf Grund ihrer langjährigen Erfahrung, Winkler hatte 2003 seinen Unfall und Jost 1991, hat sich über die Jahre sehr viel praxisorientiertes Wissen angesammelt das in diesem Kurs weitergegeben werden soll. Es wird vor allem gezeigt was auch mit einer Tetraplegie noch alles möglich ist.

Zur Finanzierung des Kurses hat sich die Manfred-Sauer-Stiftung bereit erklärt. Deren Motto, "die Leistungsbereitschaft Querschnittgelähmter zu erhöhen" und die Idee von Winkler und Jost haben sich hervorragend ergänzt und man hat sich zur Zusammenarbeit entschlossen.

Am 8. und 9.11.13 hatte der Kurs nun Premiere in Bayreuth in der Querschnittklinik Hohe Warte. Insgesamt haben 15 Personen aus den Bereichen Physio-, Ergo- und Sporttherapie teilgenommen.

Am ersten Tag wurde gezeigt wie man sich an und auszieht. Da Winkler und Jost hier unterschiedliche Techniken anwenden wurde den Teilnehmern von beiden gezeigt wie sie sich ankleiden und auf was zu achten ist. Auch wenn es erfahrungsgemäß bei Tetraplegikern etwas länger dauert verfolgten alle Teilnehmer gespannt das Geschehen.

Danach sind beide noch auf das Thema Spastik eingegangen und haben berichtet für was man die Spastik alles nutzen kann und was sie für Vorteile hat. Ziel war es, den Anwesenden zu vermitteln, dass Spastik nicht grundsätzlich schlecht ist und, dass man sie nicht komplett mit Medikamenten ausschalten sollte wenn keine medizinische Notwendigkeit besteht.

Das wohl gerade in der Anfangszeit schwer wiegenste bleibt nach wie vor das Blasen- und Darmmanagement. Natürlich wurde auch dieses Thema ausführlich besprochen. Winkler und Jost referierten ausführlich wie sie alles handhaben. Vor allem der offene Umgang der beiden Referenten kam bei den Zuhörern sehr gut an und es wurde sehr deutlich, dass es sich lohnt auch über so ein sensibles Thema ungehemmt zu sprechen.

Am zweiten Tag ging es dann auch um Themen wie den Haushalt, denn auch das gehört zu einen selbständigen und selbstbestimmten Leben dazu. Es wurde gezeigt wie man fast ohne spezielle Hilfsmittel in der Küche zurecht kommt und es wurde darauf eingegangen wie wichtig es ist Rollstuhlfahrer z.B. in der Familie bei solchen Arbeiten mit einzubeziehen.

Mit dem Thema Freizeit und Reisen hätte man ohne Probleme einen eigenen Kurs gestalten können aber die wichtigsten Auszüge wurden erwähnt z.B. wie wichtig es am Anfang ist sich nicht zu Hause zu verkriechen sondern aus dem Haus zu gehen und seinen Hobbys nachzugehen bzw. sich welche zu suchen. Dann ging es natürlich auch noch etwas um den Sport und um seine physischen und psychischen Auswirkungen auf den Körper des Patienten. Einige Reiseanekdoten rundeten diesen Themenbereich dann ab.

Es folgte dann wieder ein praktischer Teil. Es ging zu den Autos wo Winkler und Jost zeigten wie sie in ihre Fahrzeuge steigen und ihre Rollstühle verladen.

Abschließend ging es dann noch um ein oft sehr vernachlässigtes, aber denn noch sehr wichtiges Thema. Es ging um Sexualität mit Querschnittlähmung. Hier wurde ein sehr wichtiges Hilfsmittel vorgestellt und es wurde versucht den Teilnehmern ein Gefühl dafür zu vermitteln wie wichtig das Thema ist und, dass Patienten hier auf jeden Fall Aufklärung benötigen. Die Kursleiter konnten auch hier von ihren Erfahrungen berichten.

Am Ende hatten alle Beteiligten nach eigener Aussage viel dazu gelernt und es wird daran gedacht die Zusammenarbeit zum Wohle der Patienten auszubauen.

Fazit:

Vieles ist natürlich in der heutigen Zeit, wo es immer kürze Krankenhausaufenthalte gibt, nicht mehr in der Erstreha zu erreichen aber mit diesem Kurs sehen die Therapeuten was noch alles möglich ist, auch mit einer Tetraplegie, und dadurch sind die Teilnehmer noch besser in der Lage ihren Patienten zumindest Perspektiven mit auf den Weg geben zu können und wenn man das schafft ist das schon ein großer Schritt in die richtige Richtung.

BeJo