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Radmarathon Tannheimer Tal 2010
 
Es war mal wieder soweit, dass ein Handbiker vom TetraTeam in die Geschichtsbücher eingeht. Weil Jürgen Winkler nicht nur der erste Tetraplegiker bei diesem Rennen war, er war sogar der erste Handbiker überhaupt, der sich die Qualen dieses Rennens angetan hat.

Fakten Zum Rennen:

Gesamtzeit: 9Std. 4Min. 55Sek.
Gesamtschnitt: 14,31km/h
Fahrzeit: 7Std. 26Min.
Schnitt/Fahrzeit: 17,6km/h
Distanz: 130 km / 930 hm

Bericht von Jürgen:

Um 3Uhr in der Früh hieß es aufstehen, denn um 3.30Uhr kamen schon meine Eltern vorbei, die mich dieses mal gemeinsam beim Rennen begleitet haben. Kaum waren sie da, schon sind wir im Auto gesessen und fuhren in das ca.170km entfernte Tannheimer Tal, zum Start- u. Zielort Tannheim. Kurz nach 5Uhr angekommen, ging ich sofort zur Startnummerausgabe und holte mir meine Unterlagen und die letzten Infos zum Start ab. Danach hieß es gleich, ab ins Handbike und fertig machen. Kurz vor Startschuss, der um 6Uhr stattfand, rollte ich dann zum Start. Dort war ich dann der Zuschauermagnet, denn unter den ca. 1300 Radfahrern war ich der einzige Handbiker. Als pünktlich um 6Uhr der Startschuss fiel, änderte sich das recht schnell. Denn außerhalb des Startbereiches war um diese Uhrzeit noch keine Menschenseele zu sehen. Das störte aber nicht, da es nach einem ca.3km langen Flachstück erstmal eine rund 10km lange Abfahrt zu bewältigen galt. Da ich natürlich am Start mit den Radfahren nicht mithalten konnte, fuhr ich die Abfahrt allein für mich und genoss die Ruhe und die noch sehr angenehmen Temperaturen, die sich aber im laufe des Tages noch ändern und zum größten Feind des Rennens werden sollten.

Nach der Abfahrt ging es erneut über ein Flachstück hin, bis ich nach ca.30km in der Stadt Reutte war. Ab dort war es mit der Herrlichkeit von einem Schnitt von mehr als 27km/h erst mal vorbei. Denn ab Reutte zog es sich über 50km lang das Lechtal hinauf. Oft war die Steigung optisch gar nicht zu erkennen, aber sie war da. Was mich selbst aber dabei beeindruckte war, dass ich sehr lange einen Schnitt von mehr als 20km/h trotz schweren Bedingungen halten konnte.

Als ich dann nach 80km zum Wendepunkt im Lechtal kam und ich mich auf den angenehmeren Teil zurück freute, merke ich aber schnell, dass das zurück bis Weißenbach, wo der Schlussanstieg wartete, kein Selbstläufer werden würde. Denn nun sollte das nächste Problem auf mich warten. Als ich an Kilometer 80 wendete, war es zwar schon sehr warm, aber ab diesen Zeitpunkt schien mir die Sonne direkt ins Gesicht. Trotz Kühlweste die ich unter meinem Trikot trug, wurde mir es einfach zu heiß und ich musste beginnen mir ständig Wasser über den Kopf und den Körper zu schütten, damit ich nicht überhitze, was als Tetra sehr schnell passieren kann. So ging es dann bis Kilometer 110 weiter, bis ich am Fuße des Gaichpasses in Weißenbach stand. Dort gab es dann an der letzten Versorgungsstelle vor dem Ziel und dem Anstieg noch reichlich Iso-Getränke, bevor es in die Hölle ging.

Bis zu diesem Zeitpunkt fühlte ich mich eigentlich noch recht gut, was sich auch an den Fahrdaten ablesen ließ. So hatte ich auf die ersten 110km einen Schnitt von rund 19,5km/h und ich war noch nicht mal 7Std. unterwegs. Als ich dann begann den Pass zu erklimmen, merkte ich schnell, wie es einen Schalter bei mir umlegte. Auf einen Schlag ging gar nichts mehr. Mir wurde einfach zu heiß.

Bis zur ersten Kehre quälte ich mich hoch, da erwarteten mich meine Eltern im Begleitfahrzeug. Völlig ausgepumpt ließ ich mir gleich eine Ladung Wasser über den Kopf schütten. Zusätzlich zog ich meinen Helm aus, auch wenn es nicht gern gesehen wurde. Aber dort drunter war es einfach zu heiß für mich. Danach fuhr ich weiter und es begannen die schlimmsten Kilometer des Rennens. Ich kam gerade mal 500m weiter, dann musste ich schon wieder Pause machen. Dort blieb ich bestimmt 20min. stehen, denn mein Vater schob mich einen Feldweg entlang in ein kleines Schattenplätzchen. Auf der Strecke konnte ich nirgends stehen bleiben, denn die Hitze kam jetzt von überall, da der Pass komplett in der Sonne lag. Von oben um die 30Grad und die Sonnenstrahlen, von unten die Hitze vom Asphalt und von der rechten Seite die Hitze vom Fels, der die Sonne optimal reflektierte. Als ich meinte es geht wieder, half er mir wieder aus dem Weg heraus und ich machte mich wieder an den Berg heran.

Dabei war es super, dass meine Mutter nebenher lief und mir ständig Wasser über meinen Kopf gegossen hat. Dennoch musste ich immer wieder längere Pausen machen. Dabei quälten mich immer mehr die Gedanken, dass ich aufhören sollte. Da es aber nur noch 15km bis zum Ziel waren, biss ich auf die Zähne und zog das Rennen dann doch komplett durch. Allerdings benötigte ich für die letzten 20km mehr als zwei Stunden. Nach 9Std. 4Min. war ich dann völlig KO aber auch überglücklich im Ziel angekommen.

Einen Riesen Dank möchte ich auf diesen Weg meinen Eltern sagen, ohne diese das Rennen absolut nicht zu realisieren gewesen wäre. Denn die Beiden haben mich unter dem Rennen mit ca.15Liter Wasser versorgt, was dringend nötig war. Zudem möchte ich Markus Rieger Danken, der sich im Vorfeld wieder um mein Handbike kümmerte und es in Top Zustand gebracht hat, was bei meinen Ansprüchen nicht immer leicht ist. Zuletzt noch einen Dank an alle Sponsoren die das TetraTeam (www.Das-TetraTeam.de) unterstützen, denn auch ohne diese wäre nicht alles so leicht zu realisieren.